
Man sollte meinen, Kafka-Biografien gebe es wirklich schon genug. Er und sein Werk wurden so ausgiebig beleuchtet, dass er hinter den zahlreichen Deutungen schon fast verschwindet.
Trotzdem hat Rüdiger Safranski zum 100. Todestag Kafkas eine weitere Biografie geschrieben – und ich finde, die lohnt sich sehr!
Safranski widmet sich vor allem dem, wie er selbst findet, Naheliegenden. Er nimmt das Schreiben Kafkas in den Blick. Das Schreiben, das für ihn Lebensinhalt und Notwendigkeit war und mit dem er doch so sehr gerungen hat.
Die Biografie ist kurz und kurzweilig und verknüpft das, was Kafka in den jeweiligen Abschnitten seines Lebens beschäftigt hat (die Beziehung zu seiner Familie, zu Frauen, zu Freunden, zu seiner Arbeit) mit Werken, die in diesen Phasen entstanden sind.
Zahlreiche und lange Zitate nehmen uns direkt mit hinein in Kafkas literarisches Schaffen und in seine Welt, die so geprägt war von Zweifel an der Wirklichkeit, von der Unsicherheit seiner selbst in der Welt, von der „Seekrankheit auf festem Lande“ und die mir, trotz der 100 Jahre dazwischen, in Vielem so nah erscheint.
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