Florence ist eine Witwe mittleren Alters, die 1959 in Hardborough, einem kleinen und verschlafenen englischen Küstendorf, einen Entschluss fasst, der für die Zeit, ihre Lebensumstände und Hardborough ein gewagter ist: Sie kauft das (natürlich von einem Poltergeist bewohnte) Old House und eröffnet dort eine Buchhandlung. In Hardborough kennt jeder jeden, man lebt vom Heringsfang und…

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Penelope Fitzgerald: Die Buchhandlung [Rezension]

Florence ist eine Witwe mittleren Alters, die 1959 in Hardborough, einem kleinen und verschlafenen englischen Küstendorf, einen Entschluss fasst, der für die Zeit, ihre Lebensumstände und Hardborough ein gewagter ist: Sie kauft das (natürlich von einem Poltergeist bewohnte) Old House und eröffnet dort eine Buchhandlung. In Hardborough kennt jeder jeden, man lebt vom Heringsfang und alles ist immer etwas feucht, die Menschen leben zurückgezogen und sind skeptisch gegenüber einem Vorhaben, das ihnen als ein Ausbrechen aus bekannten Bahnen erscheint.

Ich glaube, dass „Die Buchhandlung“ ein sehr britisches Buch ist. Es verbindet skurrilen Humor mit scharfsinniger Beobachtung und es stellt eine Situation, die aus meiner romantisierten Sicht ein absolutes Lifegoal ist (das Old House in Hardborough kaufen und dort eine Buchhandlung eröffnen klingt ja schon klischeehaft perfekt!) kritischer und realistischer dar, als ich es erwartet hatte.

Die Atmosphäre in der Kleinstadt ist nicht romantisch und gemütlich, sondern eher bedrückend. Die Bewohner, die mit dem Heringsfang seit Generationen von einem nun aussterbenden Handwerk gelebt haben, leben am Rand des Existenzverlusts und hängen daher umso mehr daran, dass alles möglichst so bleibt, wie es schon immer gewesen ist. Viele von ihnen sind seltsame Einzelgänger und das Gemeindeleben wird bestimmt von einigen wenigen, die zur Oberschicht gehören.

Was Florence trotz ihresr Beharrlichkeit schließlich zum Aufgeben bringt, ist dann auch eine Intrige, eingefädelt von Mrs Gamart, Generalsgattin, Gastgeberin der wichtigsten Partys der Gegend und Schirmherrin aller kultureller Aktivitäten, deren Wort entscheidend ist und die zeigt, wie präsent die Klassengesellschaft in England auch Ender der 50er Jahre noch war.

Die Geschichte wird nüchtern erzählt und Florence ist weder eine besonders leidenschaftliche Leserin (tatsächlich spielen Bücher fast gar keine Rolle), noch kommt sie uns als Charakter besonders nah. Und auch wenn der typisch britische Humor ja nun wirklich nicht jedermanns Sache ist, finde ich das Buch durchaus lesenswert, denn es erweitert meinen Blick auf England, das ich sehr liebe, um eine weitere Perspektive.

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