„Die Wand“ von Marlen Haushofer ist ein Roman, der mich völlig unvorbereitet mit voller Wucht getroffen hat. Die namenlose Protagonistin schreibt einen Bericht darüber, wie sie die letzten Jahre verbracht hat – angefangen damit, dass sie nach einer Übernachtung in einer Jagdhütte morgens feststellt, dass das Gebiet, in dem sie sich befindet, plötzlich durch eine…

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Marlen Haushofer: Die Wand [Rezension]

„Die Wand“ von Marlen Haushofer ist ein Roman, der mich völlig unvorbereitet mit voller Wucht getroffen hat.

Die namenlose Protagonistin schreibt einen Bericht darüber, wie sie die letzten Jahre verbracht hat – angefangen damit, dass sie nach einer Übernachtung in einer Jagdhütte morgens feststellt, dass das Gebiet, in dem sie sich befindet, plötzlich durch eine Wand, eine Art Glaskuppel, vom Rest der Welt getrennt ist.

Sie hinterfragt die Wand kaum und unternimmt keine großen Anstrengungen, zu entkommen. Stattdessen beginnt sie, sich in diesem Leben einzurichten. Sie lebt mit einem Hund, einer Kuh und einer Katze zusammen, für die sie sich verantwortlich fühlt. Diese Fürsorge bietet ihr eine Lebensgrundlage, eine Aufgabe, zwingt sie aber auch in eine Rolle und bedeutet gewissermaßen Gefangenschaft.

Sie unternimmt Streifzüge mit dem Hund, der sie treu begleitet, macht Heu, pflanzt Kartoffeln und Bohnen an und ist in allem vollständig auf sich selbst zurückgeworfen. Die Beschreibung ihres Überlebens, das sich absurderweise anfühlt wie Alltag, und Reflexionen über das zurückgelassene Leben, die Zivilisation und die eigene Rolle darin wechseln sich in ihrem Bericht ab. Sie denkt an die Zivilisation eher als Last und Unfreiheit zurück, sodass gar nicht ganz klar ist, ob die Wand ihrem Leben eine gute oder eine schlechte Wendung gegeben hat. Und auf eine ganz subtile und leise Art und Weise macht Marlen Haushofer an diesem Setting die großen Fragen des Lebens auf, aber immer so unterschwellig, dass Platz für eigene Interpretation bleibt.

Es passiert nicht viel an klassischer Handlung, trotzdem habe ich das Buch atemlos verschlungen. Man weiß von Anfang an, dass der Bericht nicht auf eine sich einpendelnde Idylle hinauslaufen wird, sondern die Bedrohung ist von Anfang an deutlich spürbar – und sie geht nicht von der Wand aus.

Absolute und dringende Leseempfehlung!

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