„Die Unschärfe der Welt“ von Iris Wolff ist ein Familienroman, ein Epochenportrait, vor allem aber ein Roman über das Leben von Samuel, den wir von seiner Geburt im Banat in Rumänien zur Zeit des langsam auseinanderbrechenden Ostblocks über seine Flucht in den Westen bis ins hohe Alter begleiten. Die Erzählung ist dabei nicht kontinuierlich, sondern…

By

Iris Wolff: Die Unschärfe der Welt [Rezension]

„Die Unschärfe der Welt“ von Iris Wolff ist ein Familienroman, ein Epochenportrait, vor allem aber ein Roman über das Leben von Samuel, den wir von seiner Geburt im Banat in Rumänien zur Zeit des langsam auseinanderbrechenden Ostblocks über seine Flucht in den Westen bis ins hohe Alter begleiten. Die Erzählung ist dabei nicht kontinuierlich, sondern in jedem Kapitel erzählt uns ein wichtiger Mensch in Samuels Leben von einem prägenden Ereignis mit ihm, beginnend mit seiner Mutter und endend mit seiner Enkelin. Dadurch bleibt die Darstellung von Samuels Leben lückenhaft, vieles wird nicht auserzählt, sondern wie in einem Kaleidoskop setzt sich sein Leben aus einem Mosaik von Ereignissen und Perspektiven zusammen. Sie erzählen von Liebe und Verbindung, von Flucht, Vertreibung und Heimat, von Sprache und Schweigen, Sehnsucht und Erinnerung.

Iris Wolff schreibt in der ihr so eigenen poetischen und doch ganz klaren Sprache und verbindet alle Episoden kunstvoll miteinander. Figuren tauchen in späteren Episoden noch einmal auf und es ergibt sich ein vielschichtiges Gesamtbild.

Der Roman stand auf der Longlist des Deutschen Buchpreises und wurde vielfach ausgezeichnet und ist ganz objektiv betrachtet ein wirklich gut gemachter Roman. Und trotzdem: Ich habe in die Geschichte nicht hineingefunden, konnte keine Verbindung zu Samuel oder den anderen Protagonisten aufbauen. Es hat sich für mich keine Dynamik entwickelt und deshalb hat sich das Lesen eher wie Arbeit angefühlt. Vielleicht war es für mich ein tolles Buch zu einem falschen Zeitpunkt, und in jedem Fall ist es ja völlig in Ordnung, dass die Rezeption von Büchern so verschieden ist, wie die Menschen, die sie lesen.

Hinterlasse einen Kommentar