
In „Die Aufführung“ von Janice Hallett erwartet mich zwischen zwei Buchdeckeln gesammelt ein Konvolut aus 500 Seiten Material: Mails, Textnachrichten, verschiedene Dokumente, Verhör-Protokolle. Zuoberst liegt ein Schreiben an Charlotte und Femi, die beide für den Anwalt Tanner arbeiten und von ihm damit beauftragt werden, das Material zu sichten und zu prüfen, ob sie zum gleichen Ergebnis kommen wie er. Zusammen mit den beiden mache ich mich also daran, das vorliegende Material zu dem Fall zu sichten. Und das gestaltet sich manchmal etwas verwirrend, erst nach einer ganzen Weile passiert überhaupt erst ein Mord und ich weiß lange Zeit gar nicht, worauf ich eigentlich achten soll – und trotzdem beschleicht mich zunehmend der Verdacht, dass hier so einiges nicht ganz stimmen kann. Nur, mit wem? Und was eigentlich?
Die meisten der Nachrichten sind von Mitgliedern der Laien-Theatergruppe „The Fairway Players“, alle Gemeindemitglieder in einer englischen Kleinstadt, die nicht nur Klatsch und Tratsch austauschen, sondern auch ganz aufgeregt die Aufführung eines neuen Stückes planen. Eine schlimme Diagnose stellt die Gemeinschaft vor eine Herausforderung – die Enkelin des Regisseurs benötigt für eine Krebsbehandlung eine große Summe Geld, die nun durch eine Spendensammlung aufgebracht werden soll. Und dann sind da noch die Verbindungen nach Afrika und Amerika, alte und neue Konflikte, große und kleine Geheimnisse, denen ich nur langsam auf die Spur komme. Manchmal sind es nur Nebensächlichkeiten in den Mails, über die ich stolpere und deren Bedeutung erst viel später klar wird, manchmal habe ich schon einen Verdacht und brauche nur noch mehr Hinweise.
Es ist ein großer Spaß, die vielen einzelnen Informationen zu sammeln und zusammenzusetzen, der Schreibstil ist unterhaltsam und es entfaltet sich eine sehr englische Krimi-Atmosphäre. Absolute Empfehlung!
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