Im ersten Drittel des Romans wechselt meine Stimmung zwischen irritiert und ärgerlich und ich lese eigentlich nur weiter, weil ich Elizabeth Strout sonst sehr mag.Wir lernen in „Alles ist möglich“ drei inzwischen erwachsene Geschwister kennen, die sich in den vergangenen Jahren offenbar sehr voneinander entfernt haben. Was sie nun wieder zusammenbringt, ist ein Zwischenfall: Zachary,…

By

Elizabeth Strout: Das Leben natürlich

Im ersten Drittel des Romans wechselt meine Stimmung zwischen irritiert und ärgerlich und ich lese eigentlich nur weiter, weil ich Elizabeth Strout sonst sehr mag.
Wir lernen in „Alles ist möglich“ drei inzwischen erwachsene Geschwister kennen, die sich in den vergangenen Jahren offenbar sehr voneinander entfernt haben. Was sie nun wieder zusammenbringt, ist ein Zwischenfall: Zachary, der 19-jährige Sohn von Susan, hat während des Ramadans einen Schweinekopf in eine Moschee geworfen, in der sich eine Gruppe Somali versammelt hatte. Die Handlung, die nun folgt, empfinde ich als völlig absurd. Für Susans Brüder Bob und Jim (ein erfolgreicher Anwalt) ist klar, dass sie Susan und Zachary bei der Sache unterstützen wollen. Es geht nun vor allem darum, dass Zachary unbedingt vor den juristischen Konsequenzen seiner Tat, die als Hassverbrechen verfolgt wird, geschützt werden soll. Susan ist völlig gelähmt und Bob und Jim übernehmen das Ruder, Zachary behandeln dabei alle wie einen Dreijährigen, dem nicht zugemutet werden kann, überhaupt über den Vorfall zu sprechen. Warum er das getan hat, weiß keiner, das scheint aber auch für niemanden entscheidend zu sein. Die drei Geschwister behandeln sich gegenseitig so herablassend, dass ich mich frage, weshalb sie sich einander überhaupt wieder annähern. Und lange bleibt mir auch völlig unklar, worauf das Ganze eigentlich hinaus will.
Die Handlung und auch die Figuren entwickeln sich dann im Lauf des Romans doch noch und es entfaltet sich ein Geflecht aus Perspektiven, in dem sich nach und nach auch die Gründe für das Verhalten der unterschiedlichen Figuren klären, trotzdem bleiben mir diese unsympathisch und werden für mich nur wenig greifbar.
Der Erzählstil von Elizabeth Strout ist in diesem wie auch in ihren anderen Romanen einfach, aber direkt, und konzentriert sich in einer schlichten Sprache auf das Beobachten ihrer Protagonisten. In diesem Fall werde ich mit der Handlung trotzdem nicht warm.

Hinterlasse einen Kommentar