Nowhere Heart Land ist ein Roman wie ein Fiebertraum. Wir folgen Rosa, fast 30 und Ich-Erzählerin, durch einige Tage, in denen sie in einer nebligen Kleinstadt in der leeren Wohnung ihrer Großeltern sitzt und mit Hilfe von Alkohol, Erinnerungen und einer Sammlung von alten Kalendern versucht, auseinanderzudröseln, was Vergangenheit und was Gegenwart, was Wirklichkeit und…

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Emily Marie Lara: Nowhere Heart Land [Rezension]

Nowhere Heart Land ist ein Roman wie ein Fiebertraum. Wir folgen Rosa, fast 30 und Ich-Erzählerin, durch einige Tage, in denen sie in einer nebligen Kleinstadt in der leeren Wohnung ihrer Großeltern sitzt und mit Hilfe von Alkohol, Erinnerungen und einer Sammlung von alten Kalendern versucht, auseinanderzudröseln, was Vergangenheit und was Gegenwart, was Wirklichkeit und was Einbildung ist. Sie hat bisher in London gearbeitet, kommt nun aber zurück in das Haus ihrer Großeltern und es wird schnell deutlich, dass sie keine Ahnung hat, wer sie eigentlich ist, weil sie keinerlei Orientierungspunkte hat und niemanden, an den sie sich halten kann. Ihre Mutter hat sie so früh bekommen und ist so früh gestorben, dass sie in ihrer Erinnerung (und in der anderer Menschen) fast zu einer Person verschmelzen. Die Freundinnen aus ihrer Schulzeit haben sich von ihr abgewendet, obwohl sie sich nicht genau erinnern kann, weshalb. Und der einzige Fixpunkt, an den sie sich darum verzweifelt klammert, ist die Erinnerung an ihre Schulzeit in einem von Nonnen geführten Internat auf einem Hügel nahe der Kleinstadt.

Die Zeit gerät völlig aus den Fugen und die übermächtig präsenten Erinnerungen an ihre Schulzeit überlagern immer wieder die Gegenwart, während Rosa nach ihrer eigenen Identität, ihrer Vergangenheit und ihrer Zukunft sucht. Der ganze Roman ist ein wilder Strudel aus Erinnerungsfetzen, Menschen, Einzelteilen, die kein Bild ergeben und keine Zukunft.

Man darf keine stringente Handlung oder eine reflektierte Entwicklung Rosas erwarten, sondern die Handlung dreht sich wie ihre Gedanken immer wieder in den gleichen Spiralen.

Viele der Kritikpunkte, die ich über den Roman gelesen habe, kann ich nachvollziehen. Ja, ein strengeres Lektorat hätte dem Buch gut getan, das durchaus seine Längen hat. Ja, Rosa ist anstrengend und verhält sich nicht gerade sympathisch – sie kann sich ja selbst kaum ertragen.

Und trotzdem habe ich das Buch wirklich gern gelesen, die Sprache ist dicht und atmosphärisch und der Vibe des Buches und die Verlorenheit Rosas bringen etwas in mir zum Schwingen, von dem ich selbst nicht genau sagen kann, was es ist.

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