„Der Mond verbarg sich hinter den Wolken. Der Wind spie schräge Wehen aus eisigem Schnee.“ – Was für ein Romananfang! In „Die weite Wildnis“ folgen wir einem Mädchen, das im 17. Jahrhundert mit englischen Siedlern nach Amerika gekommen und dann aus dem Fort der Siedler und damit der Zivilisation geflohen ist, auf ihrer Flucht durch…

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Lauren Groff: Die weite Wildnis [Rezension]

„Der Mond verbarg sich hinter den Wolken. Der Wind spie schräge Wehen aus eisigem Schnee.“ – Was für ein Romananfang!

In „Die weite Wildnis“ folgen wir einem Mädchen, das im 17. Jahrhundert mit englischen Siedlern nach Amerika gekommen und dann aus dem Fort der Siedler und damit der Zivilisation geflohen ist, auf ihrer Flucht durch die Wildnis Nordamerikas. Diese Wildnis wird zu ihrem erbittertstem Feind und ihrem engsten Verbündeten, die Schöpfung nimmt sie in sich auf und verlangt ihr alles ab, während sich das Mädchen mit großer Demut und unglaublicher Willensstärke immer weiter voran kämpft auf einem Weg, von dem immer weniger klar ist, wohin er sie eigentlich führt.

Inmitten der Wildnis ist sie so weit weg von jeder Menschenseele, wie man es nur sein kann, und trotzdem sind es andere Menschen, die über sie und ihr gesamtes Leben bestimmen und die ihr bisher nur selten etwas Gutes getan haben. Sie sind es, deretwegen sie nach Amerika kommen musste, ihretwegen musste sie aus dem Fort fliehen, und sie, genauer gesagt: Männer, sind es, die sie bis in die tiefste Wildnis hinein verfolgen und selbst dort die größte Gefahr von allen darstellen.

Die Sprache, in der Lauren Groff uns vom entbehrungsreichen Weg des Mädchens erzählt ist lyrisch und bildhaft, sie hat etwas Altertümliches an sich und ist so dicht, das ich immer wieder Stellen doppelt lesen musste. Diese Art zu erzählen ist es, die den Roman für mich zu einem absoluten Erlebnis gemacht hat. Dieser lebt nicht von der Handlung, sondern von der Stimmung, die er erzeugt. Und weil das so ist, hätte er für mich auch 50 Seiten kürzer sein können, gegen Ende hat er durchaus seine Längen. Aber es lohnt sich, das Ende ist klug gewählt und der Roman hat noch lange in mir nachgehallt.

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