„Haus zur Sonne“ ist ein Roman, in dem Thomas Melle seine eigene psychische Erkrankung aufgreift und die autobiografischen Anteile mit einer fiktionalen Erzählung verwebt. Er, oder sein Protagonist, ist schwer an einer bipolaren Störung erkrankt und hat, nachdem er immer wieder Phasen größten Leids durchlitten hat und ständig von dem Wissen begleitet wird, dass auf…

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Thomas Melle: Haus zur Sonne [Rezension]

„Haus zur Sonne“ ist ein Roman, in dem Thomas Melle seine eigene psychische Erkrankung aufgreift und die autobiografischen Anteile mit einer fiktionalen Erzählung verwebt. Er, oder sein Protagonist, ist schwer an einer bipolaren Störung erkrankt und hat, nachdem er immer wieder Phasen größten Leids durchlitten hat und ständig von dem Wissen begleitet wird, dass auf die depressiven wieder die nächste manische folgen und unglaublichen Schaden anrichten wird, mit dem Leben abgeschlossen. Er weist sich selbst in eine vom Staat finanzierte Anstalt ein, in der den Klienten während ihres Aufenthaltes alle Wünsche erfüllt werden. Am Ende des Aufenthaltes steht der Tod, für den sie sich also schon mit Einweisung final entscheiden.

Die Erwartungen, die ich an dieses Buch hatte, waren groß. Die Fragen, die Thomas Melle hier bearbeitet, treiben mich, zumindest in Teilen, auch persönlich um, und das Buch stand auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises: „Thomas Melle erzählt von extremen Höhenflügen, niederschmetternden Landungen und dem unbändigen Wunsch, das eigene Leben ad acta zu legen. Sein Roman führt uns in den Abgrund“, heißt es im Kommentar der Jury. Ausgehend von dieser Beschreibung habe ich bereits vor dem Lesen begonnen, selbst über die Fragen nachzudenken, deren Verhandlung ich im Buch vermutet habe. Was wünscht man sich, wenn einem am Ende des Lebens jeder Wunsch offen steht? Verliert das Gewünschte an Bedeutung, wenn das eigene Leben nach dessen Erfüllung endet? Woran bemisst sich dann überhaupt der Wert dessen, was wir im Leben erreichen? Ist das, was im Haus zur Sonne angeboten wird, ein guter Deal? Was macht das Leben wertvoll?

Leider erfüllen sich meine Erwartungen beim Lesen nicht. Ich empfinde die Sprache als ungelenk und schaffe es weder zum Protagonisten noch zum Plot eine Verbindung aufzubauen. Die Abgründe, von denen Melle erzählt, werden für mich nicht fühlbar, und die Wünsche, die im Haus zur Sonne erfüllt werden, empfinde ich als seltsam klischeehaft und platt. Einmal als Rockstar auf einer großen Bühne stehen? Einmal fliegen können? Das sind nicht die Dinge, die ich mir vorstellen würde, müsste ich die Frage beantworten, was ich mir zum Abschluss meines Lebens wünschen würde.
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Die Welt, die im Roman erschaffen wird, könnte als dystopisch oder utopisch empfunden werden – leider wird mir diese Interpretation aber nicht selbst überlassen, sondern die Interpretation dessen, was mir gezeigt wird, immer gleich mitgeliefert. So bleibt mein Eindruck bis zum Ende ein seltsam flacher, ein Sog in die Geschichte entfaltet sich für mich leider nicht.

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