Margarethe Sartoris, die Protagonistin in Elke Schmitters Roman „Frau Sartoris“, lebt, als wir sie kennenlernen, ein schon fast überzeichnet normales, bürgerliches Leben. Sie hat eine Tochter, die Abende verbringt sie mit ihrem Ehemann Ernst im Kegelverein oder gemeinsam mit der Schwiegermutter zu Hause bei Bier und Kartenspielen. Ernst ist gutmütig, aber vollkommen uninteressant, und die…

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Elke Schmitter: Frau Sartoris [Rezension]

Margarethe Sartoris, die Protagonistin in Elke Schmitters Roman „Frau Sartoris“, lebt, als wir sie kennenlernen, ein schon fast überzeichnet normales, bürgerliches Leben. Sie hat eine Tochter, die Abende verbringt sie mit ihrem Ehemann Ernst im Kegelverein oder gemeinsam mit der Schwiegermutter zu Hause bei Bier und Kartenspielen. Ernst ist gutmütig, aber vollkommen uninteressant, und die Ehe mit ihm gemütlich und langweilig, und es ist schnell klar, dass Margarethe nicht in das Leben passt, für das sie sich entschieden hat.

Im Lauf des Romans, der fast eher eine Erzählung ist, entfahren wir, wie sie in dieses Leben geraten ist. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft werden zu einem Geflecht, in dem alles miteinander zusammenhängt, und das in Form von drei Erzählsträngen miteinander verwoben wird. Der zentrale und alles bestimmende Punkt, um den Margarethe ihr Leben lang kreist, ist die Liebe. Die erste große Liebe verliert sie, weil er eine andere heiratet. Über diesen Verlust wird sie nie hinwegkommen und sie entscheidet sich für die Ehe mit Ernst, bis ein weiterer Mann in ihr Leben tritt. Und wie beim ersten Mal verändert auch die zweite Liebe alles für sie.

Obwohl der Roman im Jahr 2000 erschienen ist, wirkt er auf mich älter. Die Patina der 60er und 70er Jahre, in denen er spielt, liegt ganz deutlich auf allem und es erscheint mir aus heutiger Sicht irgendwie abwegig, dass eine starke und lebenshungrige Frau wie Margarethe sich so vollständig von Beziehungen zu Männern abhängig macht. Das passt zur Zeit der Handlung, wird aber nicht hinterfragt. Trotzdem ist der Roman dicht und die Erfahrungen Margarethes intensiv, die Verknüpfung der Erzählstränge macht spürbar, wie eng die Entscheidungen und Erfahrungen eines Lebens miteinander zusammenhängen, und die Auflösung der scheinbar wie nebenher laufenden Kriminalgeschichte ist so überraschend wie folgerichtig.

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