Eigentlich passt „Zauber der Stille“ (2023) von Florian Illies gar nicht in die Kategorie von Büchern, die ich sonst gerne lese. Biografien schrecken mich meist eher ab und es fällt mir schwer, dranzubleiben, wenn ich mir doch mal eine vornehme. „Zauber der Stille“ passt allerdings auch gar nicht so sehr in die Kategorie Biografie, auch…

Florian Illies: Zauber der Stille. Caspar David Friedrichs Reise durch die Zeiten [Rezension]

Eigentlich passt „Zauber der Stille“ (2023) von Florian Illies gar nicht in die Kategorie von Büchern, die ich sonst gerne lese. Biografien schrecken mich meist eher ab und es fällt mir schwer, dranzubleiben, wenn ich mir doch mal eine vornehme. „Zauber der Stille“ passt allerdings auch gar nicht so sehr in die Kategorie Biografie, auch wenn der Titel es vielleicht vermuten lässt. Ja, man erfährt vieles über das Leben von Caspar David Friedrich. Aber das ist nur ein Teil der unglaublich vielfältigen Zusammenstellung von Fakten, Beobachtungen, Zusammenhängen, Begegnungen, historischen Verstrickungen und kuriosen Zufällen, die sich im Lauf der Geschichte rund um Caspar David Friedrich und seine Gemälde ereignet haben und die Florian Illies nach offensichtlich minutiöser Recherche hier zu einem Genre verwebt, das der Fischer Verlag „historisches Epochenportrait“ nennt. Das ist nicht nur wirklich interessant und informativ, sondern in allererster Linie ist es so unterhaltsam, dass ich das Buch gar nicht weglegen wollte. Auf fast jeder Seite hat mich etwas völlig Neues überrascht – ich habe an einigen Stellen den Kopf geschüttelt oder ungläubig die Augenbrauen hochgezogen und an anderen laut gelacht. Es geht nicht nur um Friedrich selbst, sondern auch um die Reisen seiner Gemälde im Lauf der Zeit und den Einfluss, den sie überall dort ausgeübt haben, wo sie Menschen begegnet sind. Sie gingen verloren und tauchten auf den verschlungensten Wegen wieder auf. Sie trösteten und begleiteten, wurden abgetan und verehrt und sie inspirierten nicht nur andere Maler, sondern alle, die in ihrer Kunst die romantische Sehnsucht aufgreifen wollten, wie nur Friedrich sie darstellen konnte. Bambi beispielsweise werde ich jetzt mit anderen Augen sehen! Aber auch die Gemälde Friedrichs selbst werden in einen größeren Kontext gesetzt und so eingebettet, dass sie mir nach dem Lesen noch einmal viel näher sind.
Caspar David Friedrich, der inzwischen als einer der wichtigsten deutschen Maler gilt und so viele Menschen für Kunst begeistert, dass die Ausstellungen seiner Bilder regelmäßig ausverkauft sind, lohnt natürlich ohnehin einen genaueren Blick – aber vor allem lohnt sich der irrwitzige Strudel, in den Florian Illies uns hier mitnimmt und der die Zeit, die er behandelt, unglaublich lebendig macht.

Hinterlasse einen Kommentar