Die Sprache, in der Katharina Köller schreibt, ist ungewöhnlich und fällt schon auf den ersten Seiten auf. Die Grenze zwischen innerem Monolog und Erzählung ist kaum auszumachen, der Wiener Dialekt beim Lesen fast hörbar, die Sätze sind kurz und die Formulierungen nah an der gesprochenen Sprache. Und während ich noch überlege, ob mir diese Art…

Katharina Köller: Wild wuchern [Rezension]

Die Sprache, in der Katharina Köller schreibt, ist ungewöhnlich und fällt schon auf den ersten Seiten auf. Die Grenze zwischen innerem Monolog und Erzählung ist kaum auszumachen, der Wiener Dialekt beim Lesen fast hörbar, die Sätze sind kurz und die Formulierungen nah an der gesprochenen Sprache. Und während ich noch überlege, ob mir diese Art zu erzählen wohl im Lauf des Buches auf die Nerven gehen wird, hat mich Maries zunächst atemlose und später eher langsame, aber so eindringliche und direkte Erzählweise schon längst in ihren Bann gezogen. Durch die Sprache, durch die Art zu erzählen sind wir so nah an Marie, so nah an der Handlung des Romans, dass er fast greifbar lebendig wird. Ganz unvermittelt steigen wir in die Handlung ein, als Marie gerade mitten in der Nacht einen Berghang hinaufrennt, auf der Flucht und auf der Suche nach der Berghütte, in der ihre Cousine Johanna wohnt und in der sie in ihrer Kindheit oft zusammen gewesen sind. Marie, Modedesignerin, Wienerin, weltgewandt und schön – und Johanna, Einsiedlerin, verschroben und in sich gekehrt. Auf den ersten Blick jedenfalls, im Lauf der Handlung lösen sich diese Kategorien zusehends auf. Bei Johanna nun sucht Marie Zuflucht. (Zitat)
Nach und nach kommen wir dahinter, wovor Marie flieht, warum Johanna in der Berghütte lebt, warum Marie als Kind aus dieser Hütte verbannt wurde, warum Johanna plötzlich aufgehört hat zu sprechen. Wir folgen Maries Gedanken, die sich in Kreisen zwischen der Gegenwart, Rückblenden in die gemeinsame Kindheit, ihr in Wien zurückgelassenes Leben und Alpträumen von alledem bewegen. Stück für Stück setzt sich so ein Bild zusammen, während Marie bei Johanna in der Hütte bleibt, obwohl Johanna das eigentlich nicht möchte, weil Marie nicht mehr zurück kann, aber auch nicht nach vorn. (Zitat wie lange willst du bleiben) Und während sich dort, mitten in der Einsamkeit des Berges, zwischen Holz Hacken, Heu Machen und Ziegen Melken, für uns die zwei Leben der beiden Frauen entfalten, ringen diese um ihre Beziehung zueinander und ihren Platz auf dem Berg und auf der Welt.

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