Julius Winsome lebt ein einfaches und ein einsames Leben. Zusammen mit seinem Hund, Pitbullterrier Hobbes, lebt er in einer kleinen Hütte mitten in den Wäldern von Maine. Er lebt dort fast abgeschnitten von der Welt und wirkt wie aus der Zeit gefallen. Seine Eltern leben nicht mehr und die einzige Frau, für die er einmal…

Gerard Donovan: Winter in Maine [Rezension]

Julius Winsome lebt ein einfaches und ein einsames Leben. Zusammen mit seinem Hund, Pitbullterrier Hobbes, lebt er in einer kleinen Hütte mitten in den Wäldern von Maine. Er lebt dort fast abgeschnitten von der Welt und wirkt wie aus der Zeit gefallen. Seine Eltern leben nicht mehr und die einzige Frau, für die er einmal so etwas wie Liebe empfunden hat, ist gegangen. Er spürt die Luft, den Wald, den Schnee, der im Lauf des Romans über Maine kommen und alles verschlucken wird, die Wärme des Feuers, mit dem er seine Hütte heizt. In seltsamem Kontrast zu dieser Waldeinsamkeit stehen die Bücher, mit denen er sich umgibt. Auch sie aus der Zeit gefallen – Shakespeare, Dickens, Hobbes natürlich – füllen seine Hütte und seine Tage. Das alles erfahren wir erst nach und nach.
Der Anfang des Romans ist herzzerreißend traurig. In der Sprache ganz schlicht und einfach schildert Julius, wie Hobbes von einem Jäger aus unmittelbarer Nähe erschossen wird. Er hört den Schuss und findet den verletzten Hund in der Nähe der Hütte, kurze Zeit später ist Hobbes tot. Und zusammen mit der Trauer schleicht sich noch ein anderes Gefühl ein – ein Schemen, zunächst kaum wahrnehmbar, der durch die Hütte schleicht und dafür sorgt, dass Julius, der eigentlich ein ruhiger und in großer Stille lebender Mann ist, einen Rachefeldzug beginnt. Obwohl Julius beginnt, scheinbar wahllos Jäger zu töten, die möglicherweise für den Tod von Hobbes verantwortlich sein könnten, geschieht dies fast beiläufig und mit einer absurden Selbstverständlichkeit. Und obwohl Julius‘ Verhalten eher dem eines Psychopathen gleicht, bleibt man an seiner Seite und es dauert eine ganze Weile, bis man diesen einfachen, belesenen, traurigen Mann beginnt zu hinterfragen.
Der Roman ist kurz und intensiv, kontrastiert die Einfachheit von Julius‘ Leben mit seiner existenziellen Trauer, die schneebedeckte weite Landschaft mit harter Gewalt. Ein Buch, das gleichzeitig schwer auszuhalten und schwer wieder loszulassen ist.

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